Beiträge zur politischen Logik der Infektion

sau

Am 2.7.09 fand im Centrum (Kreuzberg) im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kritik der Lebenswissenschaften eine Wieder-auflage der Veranstaltung Medizin und Seuchendiskurse im rassistischen Migrationsregime vom 20. Mai 2008 statt. Hier ist nun eine überarbeitete Version einer der Vorträge des Ak Medizinkritik zu finden:

Mikroben und Migranten (ueberarbeitet)

Medizin und Seuchendiskurse im rassistischen Migrationsregime – Dokumentation einer Veranstaltung

seuchen

Aids kommt aus Afrika, Tuberkulose aus Osteuropa?
Am 20. Mai 2008 fand eine vom „Ak Medizinkritik“ organisierte Diskussion zu den Dimensionen einer gegenseitigen Stabilisierung von Migrationsregime, rassistischen Bildern in der Medizin und Umbau des Zugangs zum Gesundheitssystem in der berlin-neuköllner Bar Tristeza statt. Thematisiert wurde der seuchenpolizeiliche Diskurs – der eine signifikanten Kopplung bestimmter Menschengruppen mit bestimmten Infektionskrankheiten behauptet – und dabei wie nebenbei den alltäglichen wie institutionellen Rassismus im Gesundheitssystem und darüber hinaus in der Gesellschaft stützt. Als Vorbereitung der Diskussion dienten drei kurze Voträge und Zeitungsmeldungen – die ihr hier nun dokumentiert findet:

Einleitung
Mikroben und Migranten
Seuchenpolizeiliches Grenzregime

Seuchenängste I

Deutschland 2001. Wahlen in Hamburg bringen Mitglieder der rechtskonservativen Schill-Partei in die Regierungsämter der Stadt. Wolfgang Barth-Völkel, der Vertreter der Schill-Partei im Gesundheitsausschuss, fordert in einem Interview mit der taz effektivere Gesundheitschecks zum Schutz der Bevölkerung vor besonders infektiösen und gefährlichen Menschengruppen. Als besonders gefährlich werden MigrantInnen und Au Pairs aus der Ukraine eingestuft. Die Vorschläge werden nach Protesten aus gesundheitspolitisch arbeitenden Organisationen zurückgenommen:

„taz: Sie fordern eine medizinische Zwangsuntersuchung für alle Zuwanderer. Welche Konsequenzen soll dies für Migranten mit einer ansteckenden Krankheit haben? Barth-Völkel: Es müssten Sanatorien errichtet werden, wo diese Menschen erst einmal in Quarantäne kommen. Wer in Deutschland leben möchte, muss sich dieser Untersuchung unterziehen. Bisher ist das nur auf freiwilliger Basis. Das „freiwillig“ sollte man ganz schnell streichen. […] Zwanzig Prozent der Aids-Infizierten sind Zuwanderer. Das sind doch erschreckende Zahlen. Auch wenn Sie sehen, dass alleine in Westeuropa 560.000 Menschen an Aids sterben. Und Hamburg ist Spitzenreiter bei Krankheiten wie Hepatitis A oder B und selbst bei einer Krankheit, die bei uns schon ausgestorben war, der Tuberkulose. Das kann doch nicht sein. […] Wir wollen ganz klar gegen die Zuwanderung zielen. Wir wollen eine kontrollierte Zuwanderung. Und dazu gehört eine Eingangsuntersuchung nun mal.

Es geht Ihnen also nicht um Gesundheitsprophylaxe, sondern darum, Regularien gegen die Zuwanderung zu finden? Richtig. (mehr…)

Das Kunst/projekt: Vogelgrippe

Bird Flu ist eine „mentale und physische Reise ins Zentrum Europas, zwischen wahren und falschen Ängsten sowie physischen und mentalen Beeinflussungen“. Stefano Cagol

Die Linke und die Medizin – Dokumentation einer Veranstaltung

möbel
Im November 2004 fand in Berlin eine Veranstaltung zu den Möglichkeiten linker Medizinkritik statt. Jenseits einer innerlinken Debatte zur Gesundheits- und Sozialpolitik, die nur die Frage nach dem Zugang medizinischer Versorgung kritisiert, wurde mit dieser Veranstaltung eine grundsätzlichere Kritik an der Medizin versucht. Die Veranstalterinnen wollten mit einem historische Rückblick linken Kritikpunkten an der Medizin und dem medizinischen Apparat auf die Spur kommen und der Frage nachgehen, inwiefern diese heute noch als Ansatzpunkt geeignet sind, aber auch darstellen, wo diese selber in die Kritik geraten ist. Beispielhaft wurden feministische Positionen, die sich vorwiegend mit der Gen- und Reprotechnologie auseinandergesetzt haben, behindertenpolitische Ansätze, die sich gegen die Normierung in der und durch die Medizin wendeten, sowie antifaschistische Kritik, die die Rolle der Medizin im Faschismus und deren Kontinuitäten thematisiert, dargestellet.
Im folgenden die vier Beiträge der Veranstaltung:

Einleitung
Feministische Medizinkritik
Behindertenpolitische Medizinkritik
Antifaschistische Medizinkritik

sicher ist sicher

vogelgrippe - die panik breitet sich aus






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